Grundsteuer-Bundesmodell ist verfassungskonform

Nach Überzeugung des Bundesfinanzhofs ist das Bundesmodell für die Grundsteuer trotz teils erheblicher Typisierungen und Pauschalierungen verfassungsgemäß.

Elf Bun­des­län­der ver­wen­den das Bun­des­mo­dell für die Grund­steu­er. In drei Revi­si­ons­ver­fah­ren aus Nord­rhein-West­fa­len, Sach­sen und Ber­lin hat der Bun­des­fi­nanz­hof sich mit die­sem Bun­des­mo­dell befasst und ent­schie­den, dass die Vor­schrif­ten des Ertrags­wert­ver­fah­rens, die Grund­la­ge für die Bewer­tung von Woh­nungs­ei­gen­tum zur Berech­nung der Grund­steu­er sind, ver­fas­sungs­kon­form sind.

Die Klä­ger hat­ten eine gan­ze Rei­he von Argu­men­ten vor­ge­bracht, war­um das Bun­des­mo­dell ihrer Mei­nung nach ver­fas­sungs­wid­rig ist. Zen­tra­ler Punkt war aber, dass das Bun­des­mo­dell mit star­ken Typi­sie­run­gen und Pau­scha­lie­run­gen arbei­tet, die zu kei­ner rea­li­täts­ge­rech­ten Bewer­tung füh­ren wür­den. Die Para­me­ter sei­en zu unge­nau, um unter­ein­an­der gerech­te, dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ent­spre­chen­de Immo­bi­li­en­wer­te abzu­bil­den. Dem hat der Bun­des­fi­nanz­hof wider­spro­chen, weil er nicht von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Rege­lun­gen über­zeugt ist und daher auf eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­zich­tet.

Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt ent­schie­den, dass der Gleich­heits­satz eine gleich­heits­ge­rech­te Aus­ge­stal­tung der Bemes­sungs­grund­la­ge einer Steu­er für alle Steu­er­zah­ler ver­langt. Der Gesetz­ge­ber darf bei der Aus­ge­stal­tung aber gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen tref­fen, ohne allein schon wegen der damit unver­meid­lich ver­bun­de­nen Här­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen. Dabei darf sich der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich am Regel­fall ori­en­tie­ren und ist nicht ver­pflich­tet, für alle Beson­der­hei­ten Son­der­re­ge­lun­gen vor­zu­se­hen. Außer­dem darf der Gesetz­ge­ber Prak­ti­ka­bi­li­täts­er­wä­gun­gen Vor­rang vor der Ermitt­lungs­ge­nau­ig­keit ein­räu­men und dabei auch beträcht­li­che Bewer­tungs- und Ermitt­lungs­un­schär­fen in Kauf neh­men, um die Fest­set­zung und Erhe­bung der Steu­er hand­hab­bar zu hal­ten.

Gemes­sen an die­sen Vor­ga­ben hält der Bun­des­fi­nanz­hof die Aus­ge­stal­tung des Ertrags­wert­ver­fah­rens für ver­fas­sungs­kon­form. Die vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten Bewer­tungs­vor­schrif­ten sei­en grund­sätz­lich geeig­net, den mit der Steu­er ver­folg­ten Belas­tungs­grund in der Rela­ti­on rea­li­täts­ge­recht abzu­bil­den.

Kon­kret ver­stößt die Maß­geb­lich­keit von Boden­richt­wer­ten zur Bestim­mung des Boden­werts, die eine Abwei­chung von bis zu 30 % zwi­schen dem Wert des zu bewer­ten­den Grund­stücks und dem Durch­schnitts­wert erlaubt, nicht gegen eine rea­li­täts- und rela­ti­ons­ge­rech­te Bewer­tung. Eben­so wenig füh­ren die für die Wert­be­rech­nung her­an­zu­zie­hen­den pau­scha­lier­ten Net­to­kalt­mie­ten zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ungleich­be­hand­lung.

Zwar wird bei der pau­scha­lier­ten Net­to­kalt­mie­te auch in gro­ßen Metro­po­len, in denen erheb­li­che Miet­un­ter­schie­de bestehen kön­nen, nicht nach der Miet­hö­he ein­zel­ner Stadt­tei­le unter­schie­den. Für Immo­bi­li­en in guten Lagen kommt es dadurch in der Regel zu einem Ansatz unter­halb der tat­säch­lich gezahl­ten oder erziel­ba­ren Mie­ten, wäh­rend der pau­scha­lier­te Ansatz für Immo­bi­li­en in schlech­te­ren Lagen häu­fig über dem tat­säch­lich erziel­ba­ren Miet­zins liegt.

Die­se mög­li­chen Ungleich­be­hand­lun­gen sind nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch durch das legi­ti­me Ziel eines weit­ge­hend auto­ma­ti­sier­ten Grund­steu­er­voll­zugs ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Dadurch ver­ein­facht der Gesetz­ge­ber im Mas­sen­ver­fah­ren die Bewer­tung von rund 36 Mil­lio­nen Grund­stü­cken. Die Anknüp­fung an tat­säch­li­che Mie­ten wür­de ange­sichts des höhe­ren Voll­zugs­auf­wands die beab­sich­tig­te auto­ma­ti­sier­te Fort­schrei­bung der Grund­steu­er­wer­te zu den ein­zel­nen Bewer­tungs­stich­ta­gen erschwe­ren.

Eine Lage­dif­fe­ren­zie­rung inner­halb einer Gemein­de wird zudem über die Boden­richt­wer­te bewirkt. Außer­dem gibt es die Mög­lich­keit des Ansat­zes eines nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts als Grund­steu­er­wert, wenn der Eigen­tü­mer nach­weist, dass der ermit­tel­te Grund­steu­er­wert den nach­ge­wie­se­nen gemei­nen Wert um min­des­tens 40 % über­steigt.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat daher der Gesetz­ge­ber sei­nen Spiel­raum nicht über­schrit­ten. Ins­be­son­de­re durf­te der Gesetz­ge­ber dem durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­ge­be­nen Ziel, einen erneu­ten Bewer­tungs­stau zu ver­mei­den, eine hohe Bedeu­tung bei­mes­sen. Auch for­mell ist das Bun­des­mo­dell nach Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­ge­mäß, weil dem Bund dafür die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zustand.